Von der Rettung der Fantasie
Veröffentlicht in 27. April 2014 Hinterlasse einen Kommentar
Er liegt ausgestreckt auf der Wiese, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, und schaut hinauf in den Himmel. Die Zeit scheint stillzustehen, nur die Wolken ziehen vorbei. Plötzlich werden die Wolken zu Figuren, zu tollen Fantasiewesen, und fangen an zu leben. Er sieht unbekannte Gestalten, die er so noch nie gesehen hat. Sie ziehen an ihm vorüber und verändern sich ständig, und er wünschte sich, sie würden dableiben. Er würde sie gerne einfangen und sie konservieren, um damit die Zeit anzuhalten und die Fantasie ohne Zeitdruck regieren zu lassen. Aber das geht nicht, die Figuren verändern sich, und noch bevor er die eine richtig fassen konnte, entsteht bereits eine andere. Oder sie löst sich in Nichts auf. Das Nichts hält zum Glück nicht lange an, denn da kommt schon die nächste Wolke. So vertreibt er sich die Zeit und wünscht sich trotzdem, sie würde stillstehen. – Plötzlich bemerkt er ein bekanntes Gesicht, das ihn anlächelt und ihm Vertrauen schenkt. Diese liebevollen Augen, die ihm sagen, dass alles gut wird. Dass er nicht alleine ist, dass er einen Begleiter hat auf seinem manchmal schweren Weg. Jemand, der ihn trägt, und mit dem er durch die Lüfte der Fantasie jagen kann. Er kann es gar nicht glauben. Das Gesicht ist da, und es verändert sich nicht, eine ganze Weile lang starrt er es an. Plötzlich sind alle Erinnerungen wieder da. Daran, wie er gekämpft und gelitten hat, wie er sich gefürchtet hat, wie er das Nichts im Nacken spürte und wie er geflogen ist über die Täler, über die Berge und über die Landschaften, die zum Teil schon fast ganz zerstört waren. Er erinnert sich, wie er geliebt hat und wie er es geschafft hat, die Fantasie zu retten. Er war Bastian. Nein, er ist Bastian. Noch immer. Mit einer unendlichen Dankbarkeit blickt er noch einmal in den Himmel. „Danke, Fuchur!“, sagt er. Doch so versunken, wie er in seine Träumen war, hat er gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergangen ist. Fuchur ist nicht mehr da. Jedenfalls nicht mehr dort oben am Himmel. Und trotzdem ist dort jetzt nicht das Nichts. Und trotzdem wünscht er sich jetzt nicht, dass die Zeit stehengeblieben wäre. Denn er weiss, wo er seinen treuen Begleiter immer wieder findet. Er weiss: Fuchur ist vom Himmel in sein Herz weitergezogen.
Weisser Horizont
Veröffentlicht in 21. April 2014 4 Kommentare

Friedlich liegt er da
und lässt Luft zum Träumen
macht uneigennützig Platz
für die Farben der Fantasie
die in der Luft schwirren
und sich im Wasser spiegeln
um den Anker des Kahns herum
der Sicherheit bietet
falls man sie braucht
wie die blaue Tinte
auf dem weissen Blatt Papier
Meine Gedanken
Veröffentlicht in 19. April 2014 12 Kommentare
Meine Gedanken
drehen
wirbeln
kreisen
ununterbrochen
um dich
um uns
um mich
mit dir
oder
ohne dich
jetzt –
und dann
irgendwann?
Der Philosoph B…
Veröffentlicht in 16. April 2014 Ein Kommentar
„Der Philosoph Bernd Guggenberger warnt, Freiheit gedeihe nur in einer ‚fehlerfreundlichen‘ Umwelt. Nur wenn der Mensch auch Fehler machen darf, darf er frei sein – Mensch sein.“
Aus dem Geo 03/2012, S. 144 zum Thema Perfektionismus.
Die schwarzen Schuhe
Veröffentlicht in 13. April 2014 Hinterlasse einen Kommentar
Da stehen sie. Einfach so, da an der Strassenecke. Die Schuhe. Da, an der Wand, angelehnt. In der Schachtel. Schwarze Pumps. In einer weissen Schachtel. Warum nur? Das fragt sie sich schon die ganze Zeit. Sie kann sie genau sehen von ihrem Fenster aus, wie sie sich abheben, so ganz schwarz im Weiss der Schachtel. Drumherum nur das Dunkel der Nacht. Kein Mensch ist da, niemand, nichts. Da stehen sie, allein, fast wie ein Mahnmal. Aber wofür? Was macht das für einen Sinn? Sie überlegt sich verschiedene Szenarien. Wäre es möglich, dass sie dort vergessen wurden? Ja, vielleicht bei einem Umzug. Vielleicht hatte es jemand eilig. Aber warum hat dieser jemand dann alles andere mitgenommen und nur diese Schuhe vergessen? Möglicherweise gab es einen Streit. Möglicherweise ja gar nicht dort auf offener Strasse während des Umzugs, sondern bereits davor. Es könnte ja sein, dass sich ein Paar im Streit getrennt hat, und sie hat diese Schuhe in der Wohnung vergessen. Dann hat sie der Verlassene vielleicht einfach dort hingestellt. Weil sie so überstürzt los ist, und weil er sie noch liebt. Weil er es nicht über das Herz bringt, die Schuhe einfach wegzuwerfen, es aber zu sehr schmerzt, sie noch in der Wohnung zu haben. In der Hoffnung, sie kommt zurück. In der Hoffnung, sie sieht die Schuhe und versteht. Die schwarzen Pumps in der weissen Schachtel als Mahnmal für die Liebe. Mit Hoffnung beladen, dort abgestellt und einfach vergessen. Ob er sie auch schon vergessen hat? Läuft er nicht jeden Tag daran vorbei? Aber das ist doch grausam, denkt sie sich. Da muss man doch etwas tun, das hält doch niemand aus. Und so geht sie hinunter, rennt über die Strasse durch den Regen direkt auf die Schuhe zu. Es ist immer noch niemand zu sehen, und so beschliesst sie einfach, die Schuhe zu nehmen. Sie nimmt sie mit, und sie nimmt sich vor, sie in Ehren zu halten. Schliesslich sind sie ein Mahnmal für die Liebe. Plötzlich überkommt sie die Traurigkeit und unter die Tropfen des Regens mischen sich ihre Tränen. Sie weint um die Hoffnung, die in diesen Schuhen stecken. Langsam geht sie wieder zurück, und noch bevor sie wieder oben angekommen ist, kontrolliert sie, ob die Schuhe ihr passen. Genau ihre Grösse, das kann doch nicht sein, sie passen wie angegossen. Da stehen sie jetzt zusammen im dunklen Treppenhaus, die schwarzen Schuhe und sie. In der Hand hält sie die weisse Schachtel, die nass ist vom Regen und ihren Tränen. Und da fühlt sie plötzlich die Hoffnung in sich aufsteigen. Die Schachtel wird wieder trocknen, die Schuhe werden wieder laufen, und zusammen sind sie nicht mehr allein. Die Schuhe werden sie von jetzt an begleiten, und wer weiss, vielleicht findet sie ja darin endlich die Liebe.
Eine Nacht
Veröffentlicht in 12. April 2014 Hinterlasse einen Kommentar
Ein Zufall,
eine Nacht,
vielleicht mehr.
–
Ein Zufall,
eine Nacht,
der Abschied ist schwer.
–
Ein Zufall,
eine Nacht,
ich fühle mich leer.
–
Ein Zufall,
eine Nacht,
ich vermisse dich sehr.




















