Sommerwiese

Sommerwiese

Auf der Sommerwiese

dort, unter dem Baum

hat es Platz zum Liegen

Auf der Sommerwiese

dort, unter dem Baum

herrscht Ruhe und Frieden

Auf der Sommerwiese

dort, unter dem Baum

kann man träumen und dösen

Auf der Sommerwiese

dort, unter dem Baum

werden sich die Schatten lösen

Auf der Sommerwiese

dort, unter dem Baum

leben lauter doofe Ungeziefer

Auf der Sommerwiese

dort, unter dem Baum

krabbeln sie, die blöden Viecher

Auf der Sommerwiese

dort, unter dem Baum

liegt deshalb kaum mal einer

Ja und warum auch?

Denn Zeit hat dafür

ja sowieso keiner

Vom Starten und Landen

Jeden Tag sass er da und blickte sehnsüchtig den startenden Flugzeugen nach. Von dem kleinen Dreckhügel aus konnte er alles beobachten, und mittlerweile kannte er jeden Handgriff, der vor dem Start nötig war. Wenn er so da sass, waren alle seine Sinne geschärft, er nahm alles auf und speicherte jedes Detail. Wie wunderbar sich so ein Flugzeug anhörte. Ja, er liebte den Klang der Triebwerke. Wenn sie angelassen wurden, machte sein Herz jedes Mal einen Sprung. Mit seinem ganzen Körper konnte er die Energie spüren und sog sie in sich auf. Wie gerne sässe er selbst in einem der Flugzeuge. Von seinem Hügel aus hatte er das Gefühl, sie waren nur eine Armlänge von ihm entfernt. Eine Handbewegung, und er könnte nach dem Flugzeug greifen. Es fühlte sich fast so an, als wäre die Freiheit zum Greifen nah. Bei jedem Start stellte er sich vor, wie es an einem anderen Ort wäre. Zum Beispiel an einem Ort, wo die Kinder in die Schule gehen und Fussball spielen konnten. Wie es sich wohl anfühlte, mit einem richtigen Ball auf grünem Gras spielen zu können? Bei dem Gedanken griffen seine Hände in den Dreck unter ihm und ballten sich zu einer Faust. Dabei grub sich die Erde unter seine Fingernägel, bis es wehtat. Das war ihm jetzt gerade recht. Der körperliche Schmerz verdrängte wenigstens seine mittlerweile zu gross gewordene Sehnsucht für einen kurzen Moment. Er wusste, dass es nun an der Zeit war, um wieder nach Hause zu gehen. Er hatte für heute genug Flugzeuge starten gesehen. Mit jedem Flugzeug hatte er einen seiner Wünsche mitgeschickt, so lange, bis keine mehr übrig waren. Bis seine Träume nicht mehr abhoben, sondern auf dem Boden der Tatsachen landeten. Er sah auf seine dreckigen kleinen Hände, an denen die rote, lehmige Erde klebte. Sie war das einzige, was für ihn wirklich greifbar war. Die Freiheit hingegen, die war wieder unendlich weit weg gerückt. Er stand auf, wischte sich die Hände kurz an seinen schmutzigen Hosen ab und machte sich auf den Weg. Ohne sich noch einmal umzublicken, lief er davon. Er wusste ja, dass er morgen wieder da sein würde – noch bevor sich die ersten Sonnenstrahlen zeigten, aber die Farbe des Himmels schon erkennen liess, dass ein neuer Tag begann.

Die Farbe Grün

Grüntöne

„Also träumt sie. Und immer, wenn sie an das Reisen denkt, denkt sie an die Farbe Grün. Aber nicht an grün wie das Gras, sondern an das Grün des Meeres, des Dschungels. Dieses Blaugrün, das nach Ferne duftet. Dann kann sie den Wind im Gesicht spüren. Sie kann fühlen, wie das wäre, und das Fernweh schmerzt in der Seele, ohne dass sie diesen Schmerz lindern könnte. Denn auch das Träumen, so schön wie es ist, vergrössert ihn nur. Sie weiss, sie muss weg, fort, um nach Hause zu finden.“

aus: Fernweh

Ruhe

Ruhe

Ausgeträumt

Nicht mehr wissen,

wie,

wo,

wann…

Keinen Schimmer,

ob

ich’s

kann…

Es ist zuviel,

jetzt!

sofort!

nicht dann!

Ich mag

nicht mehr,

bin müde,

viel zu sehr….

Der Schatz in uns

Wie vorüberziehende Wolken und schwirrende Schmetterlinge

So fliegen die Gedanken hinauf in den Himmel

Verlieren den Boden unter den Füssen

Und lassen uns eintauchen

In die Tiefen unserer Seele

Sie zeigen uns unsere geheimen Wünsche

Die wir lieber für uns behalten

Weil sie nur uns gehören

Damit niemand sie zerstören kann

Und sie wie Seifenblasen zerplatzen

Deshalb fehlen uns die Worte

Um sie mit anderen zu teilen

Und wir helfen uns mit Floskeln

Die den ganzen Reichtum unsere Träume

Nur halbherzig aufzeigen können

Denn in uns glitzert und funkelt es

Um ein Vielfaches stärker und strahlender

Als es unsere Augen ertragen könnten

Und deshalb sind wir blind und unvorsichtig

Wenn es darum geht unsere Träume zu leben

Deshalb nennt man uns unvernünftig

Deshalb kann es niemand verstehen

Jedoch wir allein wissen um den Mehrwert

Den sie unserem Leben geben

Und wir allein wissen um den Schatz

Den uns unser blindes Vertrauen beschert

Wenn wir es nur zulassen

Und weil wir ganz genau wissen

Dass ein erfüllter Traum unbezahlbar ist

Nehmen wir dafür alles in Kauf

Seerosen im Abendrot

Romantische Abenddämmerung

Kaffeeklatsch

„Hallo, wie geht’s dir?“ „Ach frag nicht…“ „Warum, was ist denn los? Übrigens siehst du super aus! Tolle Bluse!“ „Danke, die Bluse war ein Frustkauf, aber immerhin war sie im Sale.“ „Ah ja? Die Farbe steht dir wahnsinnig gut, die solltest du öfters tragen!“ „Ja? Ich war mir erst nicht sicher…“ „Doch, doch, das steht dir super! Was? Ah ja, ich nehme einen Cappuccino, und du?“ „Ach, ich weiss auch nicht, einfach einen Kaffee?“ „Wo waren wir? Ah ja, deine Bluse, die steht dir wirklich super!“ „Hmmm… wenigstens das…“ „Sowieso, ich beneide dich, du bist immer so gut angezogen! Wir müssen bald mal zusammen shoppen gehen!“ „Okay, vielleicht irgendwann mal…“ „Und warst du eigentlich beim Friseur? Du siehst irgendwie verändert aus!“ „Hmmm.“ „Du musst mir unbedingt sagen, wo du da immer hingehst? Ich bin einfach nie zufrieden mit meinen Haaren, aber deine, die sind toll! Der neue Kurzhaarschnitt steht dir auch so gut, sag mal, wie machst du das bloss?“ „Weiss nicht, ich fühle mich eigentlich nicht so…“ „Ach, jetzt tu doch nicht so, du weisst doch selbst, wie gut du aussiehst! Wenn ich deine Figur hätte…“ „Ich weiss…“ „Ja, also, dann spiel es nicht immer so runter!“ „Hmmm…“ „Jetzt sag doch endlich mal, was du hast! Du bist doch die ganze Zeit schon so komisch!“ „Ja, ich weiss auch gar nicht, wo ich anfangen soll. Also, ich war beim Hausarzt…“ „Oooooh, ja, das habe ich dir übrigens noch gar nicht erzählt! Mein Zahnarzt, du weisst schon, der, der so gut aussieht! Stell dir vor, ich glaube, der steht auf mich!“ „Hmmm.“ „Der sieht mich immer so an! Das bedeutet doch etwas, meinst du nicht?“ „Naja.“ „Ja klar, du bist wieder so pessimistisch. Du hast seinen Blick ja auch nicht gesehen! Wenn du den gesehen hättest!“ „Ja, sicher.“ „Seine Augen… die sind einfach ein Traum. So blau wie der Himmel! Natürlich darf er nichts machen oder so, schliesslich bin ich ja seine Patientin, aber man sieht richtig, wie er darunter leidet… sein Blick…!“ „Ja, ja.“ „Aber jetzt erzähl du mal, warum warst du beim Arzt?“ „Ja also, ich weiss gar nicht, wie ich das sagen soll…“ „Dann sag’s halt einfach!“ „Also… ich bin hingegangen, weil ich wollte, dass er sich meine Brüste mal genauer ansieht.“ „Was? Deine Brüste? An denen musst du doch nichts machen lassen! Die sind doch perfekt so! Wie oft muss ich dir denn noch sagen, dass du spinnst? Deine Figur ist wirklich perfekt, und schau dich doch mal an, du bist bildhübsch! Du bist eine absolute Traumfrau! Was würde ich dafür geben, so auszusehen wie du! Du weisst doch gar nicht, was für ein Glück du hast. Ich hoffe, dein Arzt hat dir das auch gesagt? Wenn nicht, dann ist der also wirklich ein Vollidiot. Aber was will man schon erwarten, das ist ja auch nur ein Mann. Alle Männer sind Vollidioten! Jetzt sag doch was, das stimmt doch, oder?“ „Ja, alle Männer sind Vollidioten. Aber mein Arzt…“ „Weisst du noch, der Typ letzte Woche? Von dem ich zuerst noch gedacht hatte, dass der ehrlich an mir interessiert ist und nicht nur auf mein Aussehen achtet? Keinen Deut hat der sich für mich interessiert! Der wollte überhaupt nicht wissen, wie es mir geht, der hat mir alles nur vorgespielt, bis er mich im Bett hatte. Typisch! Wie konnte ich auch nur mal etwas Gutes von einem Mann denken?“ „Ja, wie auch?“ „Aber du lässt dir deine Brüste doch nicht wirklich machen, oder? Du hörst doch nicht auf so einen, oder?“ „Nein, das ist es nicht…“ „Ach du meine Güte! Bin ich froh, das hast du nämlich gar nicht nötig! Du weisst doch, was du für ein Glück hast, oder?“ „Hmmm…“ „Wenigstens halten wir Frauen immer zusammen, oder? Wir sind wenigstens immer füreinander da! Auf die Männer können wir verzichten, stimmt’s?“ „Hmmm. Du, ich muss jetzt gehen.“ „Was, schon? Schade!“ „Ja, tut mir leid. Das geht auf mich.“ „Das müssen wir aber unbedingt bald wiederholen!“ „Ja, ich muss einfach schauen, ob das geht, ich…“ „Ach du, jetzt tust du wieder so beschäftigt!“ „Ja, entschuldige, ich weiss wirklich nicht, ob…“ „Ja, ja, schon gut, melde dich einfach, ok?“ „Ja, ok… Ich hoffe wirklich, wir sehen uns wieder.“ „Ja sicher tun wir das! Was tust du auch so dramatisch!“ „Hmmm. Mach‘s gut, ok?“ „Ja klar! Bis bald!“

Sehnsucht

Sie zieht mich weg

von mir zu dir

Nur bist du nicht da

und ich weiss nicht mehr

wohin mit mir

meine Gedanken schwirren

wie Schmetterlinge

in der Luft

auf und ab

und hin und her

nur manchmal

für einen kurzen Moment

finden sie Rast –

um dann erneut loszufliegen

noch schneller, noch wirrer

bis die Sehnsucht

mich vollkommen verwirrt hat

und ich fast verzweifle

weil ich mich verloren habe

und dich nicht finde