Die Bank am See

Die Bank am See war ihr Lieblingsort. Auch heute nahm sie auf ihr Platz, obwohl die Bank schon besetzt war. Eine ältere Frau sass bereits da und schaute verträumt auf das Wasser. „Wissen Sie, wenn ich damals gedurft hätte, dann hätte ich gerne eine Ausbildung gemacht, aber das ging halt einfach nicht.“, sprach die Frau sie an. „Ja, das war damals noch anders.“, antwortete sie etwas unsicher. Die Frau fuhr fort: „Ich habe immer gerne gelernt, aber wenn ich zu gute Noten nach Hause gebracht habe, dann hat mein Vater gesagt, dass ich lieber mehr zuhause arbeiten soll, weil ein Mann sowieso keine eingebildete Frau will.“ Sie horchte auf und fragte: „Warum denn eingebildet?“ „Weil ich gerne Bücher gelesen habe. Früher hat man gesagt, dass das zu nichts nütze sei, die Zeit mit diesen Träumereien zu verschwenden.“ Nun war sie verwundert, denn Bücher waren für sie eigentlich immer nur etwas, was sie für die Schule lesen musste: „Und wovon haben Sie denn geträumt?“ Die Augen der Frau funkelten und sie lächelte kurz, als sie sagte: „Ich habe immer davon geträumt, Bibliothekarin zu werden. Das stelle ich mir wirklich schön vor, mit den Büchern zu arbeiten. Aber das ging halt einfach nicht. Ich durfte nur die Grundschule machen, danach musste ich Haushälterin lernen und arbeiten.“ Das war damals allerdings anders, dachte sie und erwiderte: „Meine Eltern wollten immer, dass ich studiere.“ „Darf ich fragen, was Sie arbeiten?“ „Ich habe als Juristin gearbeitet.“ Erstaunt sah die Frau sie an: „Und jetzt nicht mehr?“ „Nein, ich bin jetzt Mutter und Hausfrau. Meine Kinder sind die beiden da hinten auf dem Spielplatz.“, sagte sie stolz und blickte zufrieden auf den See hinaus, glücklich darüber, dass sie sich durchsetzen und ihren Traum verwirklichen konnte.

Aus dem Rhythmus gefallen

Müde und benommen von der durchträumten Nacht sitzt sie mit ihrem Kaffee am Frühstückstisch und fühlt sich total verloren. Irgendwie stecken ihr die Träume noch in den Knochen. Sie fühlt sich schwer und es wird eine ganze Weile dauern, bis ihre Knochen alle Traumbilder absorbiert haben und bereit sind, sich ihrer eigentlichen Bestimmung zu stellen und sie durch den Tag zu tragen. Einige Bilder sind noch da und doch schon weg, sie sind noch nicht ganz in den Knochen angekommen und blitzen wieder auf, aber in eine chronologische Reihenfolge lassen sie sich nicht mehr bringen. Oder waren sie gar nie chronologisch? Sie weiss es nicht. Über alles ist ein Schleier gehüllt, sowohl über ihre Träume wie auch über die Dinge um sie herum. Sie fühlt sich benebelt, hat Mühe, sich zurechtzufinden. Alles kommt ihr so unwirklich vor, sogar die Zeit, der sie morgens immer hinterherhinkt. Das waren doch nur fünf Minuten, wieso ist schon eine Stunde vergangen? Sie ist noch nicht bereit. Wie soll sie denn heute nur alles schaffen? Wie den Menschen begegnen, wie mit ihnen sprechen, wie alle Aufgaben erledigen? Wie soll das gehen, wenn sie sich so fehl am Platz fühlt in der Welt? Auch das weiss sie nicht, und auch nicht, wie es dann doch passiert, dass sie irgendwann dasteht, bereit, aus der Tür zu treten und die Welt zu begrüssen. Auch wenn es manchmal Stunden dauert, aber an den allermeisten Tagen schafft sie es, den Weg vom Traum zurück ins Leben zu finden. Und in ihrem Leben gibt es dann nur noch den einen grossen Traum, der sie durch den Tag begleitet, bis sie abends ins Bett fällt und sich jedes Mal aufs Neue vornimmt, dass ab morgen alles anders wird: Sie träumt davon, wie es wäre, wenn sie einfach leicht und voller Tatendrang aufstehen könnte. Wie es wäre, endlich problemlos in den Rhythmus der Gesellschaft zu passen und von Anfang an den Platz darin zu finden. Ja, leichter wäre dann alles. Zumindest vieles. Aber auch besser?

Heute Nacht träume ich…

Heute Nacht träume ich...

…. davon, gemeinsam durch den nassen Strand zu waten, zu spüren, wie der Sand durch die Zehen rinnt, dabei zuzusehen, wie der Tag sich dem Abend neigt und sich alles zu sagen, indem man gemeinsam schweigt.

Hoffnung

Aus Erfahrung

wird man klug.

Hoffnung –

reiner Selbstbetrug!

Die Hoffnung

stirbt zuletzt.

Wieso?

Weil Realität verletzt.

Ich liebe dich

oder lieber doch

ich liebe mich?

Und – (vor allem)

liebst du nur dich

oder liebst du

vielleicht

doch lieber mich?

Hoffnung –

lass mich

(noch) nicht

im Stich!

Was wir wollen

dir geben

was du brauchst

will ich

mit dir teilen

was ich habe

will ich

mich geborgen

bei dir fühlen

will ich

das alles

mit ihr

willst du

zwei unerfüllte Träume

miteinander verbunden

in ihrer Einsamkeit

Wie es sein wird

IMG_0851„Denn wenn sie träumt, dann hat sie eine Ahnung davon, wie es sein wird. Sie kann das Gefühl erahnen, das in ihr ist, tief in ihr verborgen. Das Gefühl der Freiheit. Sie stellt sich vor, wie es ist, wenn sie den Regenwald sieht. Wenn sie in ihm badet. Wie es ist, wenn sie auf den Bergen der Welt steht, die Weite vor sich, die Frische des Windes in der Nase. Wie es ist, das Meer zu sehen, wie es ist, die Wellen zu spüren und das Salz zu schmecken.“

Auszug aus: Fernweh

Der Wendepunkt

Ich will mit aller Kraft hochspringen. Dafür meine ganze Energie sammeln und in den Sprung hineinlegen. Schwung holen, abspringen, hochsteigen. Höher und noch höher, bis ich nach der Sonne greifen kann. Dann: Der Moment in der Schwebe. Ich habe nun meine Grenze erreicht. Ich habe alles gegeben. Für diesen kurzen Moment kann ich die Schwerelosigkeit geniessen. Ich fühle mich frei und leicht – und spüre gleichzeitig, wie die Schwerkraft meinen Körper schon wieder erfasst hat. Dass sie mich zurückzieht. Noch nicht! Aber es ist schon zu spät. Doch das macht mir nichts aus, denn zum Glück habe ich im Laufe meines Lebens gelernt, weich zu landen. Ich weiss mittlerweile, welche Kräfte dabei wirken und federe alles gekonnt ab. Ich lande unbeschadet auf dem Boden und weiss: Ich habe es geschafft. Ich bin glücklich, denn meine Seele schwebt noch.

Einzigartig

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Sei frei

in dir das zu sehen,

was für andere

unsichtbar ist.

So zu leben,

wie andere

nicht leben könnten.

Einfach zu machen,

was für andere

unmöglich ist.

Und genau deshalb

so zu sein,

wie es andere

gerne wären.

Die Sicht auf die Welt

Der Tag ist gekommen, heute ist es also soweit. Schon oft hat er alles durchgespielt und ist alle Möglichkeiten durchgegangen. Er ist zum Schluss gekommen, dass es schon klappen wird. Rein objektiv gesehen ist die Wahrscheinlichkeit eines Problems verschwindend klein. Also wird schon nichts passieren. Davon ist er jetzt überzeugt, ja er ist sich sogar ganz sicher, dass er das heute machen will. Schon jetzt, während er auf dem Weg zum Flugplatz ist, freut er sich darauf, die Welt von oben sehen zu können und dabei diese unendliche Freiheit zu spüren. Sein Magen kribbelt und es fällt ihm schwer, sich auf den Verkehr zu konzentrieren. Das muss die Vorfreude sein, gemischt natürlich auch mit ein wenig Nervosität, denkt er sich. Seine Gedanken drehen sich sowieso seit Tagen nur noch darum, wie er alles vorbereitet, alles genau so macht, wie er es gelernt hat, sich den Fallschirm umschnallt, alles doppelt und dreifach kontrolliert, alles immer wieder durchgeht, bis er sicher ist, dass wirklich alles in Ordnung ist. Wie er dann in das Flugzeug einsteigt, dieses Gefühl beim Starten, wie er zuerst noch versucht seine Nervosität zu unterdrücken, dann nur noch zu überspielen, nur um irgendwie vielleicht doch noch ein bisschen entspannt zu wirken. Mir ist ein bisschen übel, denkt er, aber das geht schon, das ist normal. Er sieht die anderen vor sich, einige sind ganz ruhig und in sich gekehrt, anderen geht es wohl ähnlich wie ihm. Aber es lohnt sich, sagt er sich, einmal überwinden und dann siehst du die Welt endlich so, wie sie ist, nämlich klein und unwichtig. Dann kannst du Abstand gewinnen zu allem, das Fliegen geniessen und abschalten. Abschalten davon, ständig die Blicke im Rücken und die Last auf den Schultern zu spüren. Denn dann spürst du nur noch den Wind im Rücken und die Riemen des Rucksacks auf den Schultern. Er denkt, das muss die pure Freiheit sein, und es wird bestimmt nichts schief gehen, wenn du da oben bist, wenn du es geschafft hast dich zu überwinden, dann geht es dir gut, dann bist du frei. Nur noch einmal kurz anhalten und etwas frische Luft schnappen, nur kurz. Ihm ist jetzt richtig schlecht, und plötzlich ist er sich nicht mehr sicher. Er hat nun Angst. Es kann eben doch Vieles schief gehen, denkt er sich. Subjektiv gesehen ist eben trotzdem alles anders. Vor allem, wenn ein Traum die Sicht auf die Welt verändern könnte.

5 Minuten Freiheit

Der Wecker klingelt

Schlummertaste

Dösen

Blauer Himmel

Die Sonne scheint

Keine Termine

Frühstück auf dem Balkon

Die Wärme der Sonne im Gesicht

Den Liegestuhl holen

Ein eiskaltes Getränk

Sonnenbaden

Lesen

Dösen

Der Wecker klingelt wieder

Aufstehen

Ins Büro gehen