Zeit (als Geschenk)
Veröffentlicht in 1. April 2014 2 Kommentare
Überrascht,
betört,
verbunden.
Nichts gesucht
und alles gefunden.
Aus Angst
wird Vertrautheit,
das ist Sehnsucht
nach mehr.
Kein Versprechen,
aber Zeit
als Geschenk –
ich mag dich sehr.
Heute Nacht träume ich… (2)
Veröffentlicht in 31. März 2014 Hinterlasse einen Kommentar
… davon, auf dem Schiff die dunklen, aufgewühlten, tobenden Wassermassen hinter mir zu lassen und mit Blick nach vorn auf den ruhigen, glitzernden, hellen Horizont zuzusteuern – mit dem frischen Wind im Haar, der warmen Sonne im Gesicht und einem Lächeln auf den Lippen.
Der Grund
Veröffentlicht in 30. März 2014 Hinterlasse einen Kommentar
Sich unbekannt kennen
ohne Grund
sich unsicher sicher fühlen
ohne Grund
unverbunden verbunden sein
ohne Grund
ungeduldig Geduld haben
aus einem Grund
dem Grund
dass wir
keinen brauchen
dort
wo Unlogisches logisch ist
und die Zeit
keine Bedeutung hat
Die Zugfahrt
Veröffentlicht in 26. März 2014 Hinterlasse einen Kommentar
Auf dem Nachhauseweg im Zug blickte er aus dem Fenster und dachte noch einmal über das nach, was er gerade gehört hatte. Darüber, was Freiheit bedeutet. Es war ein sehr aufschlussreicher Vortrag gewesen, den er heute Abend besucht hatte. Eigentlich war er nicht einmal freiwillig hingegangen, auch wenn das Thema ihn natürlich interessierte. Aber er hatte damit gerechnet, dass es vor allem um die politische Dimension von Freiheit gehen würde. Dass er sich jetzt selbst so aufgewühlt fühlte, das hätte er nicht gedacht. Er war ganz ehrlich überrascht, denn eigentlich war er immer davon ausgegangen, dass er frei sei. Sollte das alles wirklich nicht stimmen? Ja, es erschütterte ihn zwar, dass der Redner darüber gesprochen hatte, wie unfrei die Demokratie doch eigentlich sei. Das war ihm bisher nie aufgefallen. Doch es stimmte, dachte er, wirklich frei sind wir alle nicht, bei all den Vorschriften und Regeln, die wir uns selbst auferlegen. Aber nun gut, das war nicht zu ändern. Nein, in seinen Grundfesten erschüttert hatte ihn etwas anderes. Es war die Frage nach der Freiheit von der eigenen Vergangenheit gewesen. Und er fragte sich nun, ob er wirklich so frei war, wie er immer gedacht hatte. Frei, weil er sich unabhängig fühlte, weil niemand auf ihn wartete, niemand Rechenschaft wollte für sein Tun, und er als moderner Single in der Stadt doch nun wirklich seine Freiheit genoss. Doch wenn er jetzt ehrlich war, dann wusste er, dass das nicht stimmte. Er hatte sich nie darüber Gedanken gemacht, aber er hatte einfach immer weitergemacht und sich treiben lassen. Nie wäre er auf die Idee gekommen, dass genau das ihn unfrei machte. Die Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag. Er liess sich von seiner Vergangenheit leiten! Er leitete sich gar nicht selbst. Seine Erfahrungen machten ihn unfrei für die Entscheidungen in der Zukunft. Er hatte sich nie darum bemüht, sich von seiner Vergangenheit zu befreien, schliesslich gehörte sie doch zu ihm. Oder war das nur eine Ausrede? Eine Ausrede, damit er sich nicht dem Unangenehmen stellen musste? Er merkte, wie es ihm die Kehle zuschnürte, wie der Schmerz zurückkam, den er so lange verdrängt hatte. Weil er sich aber hier zwischen all den fremden Leuten nicht von ihm überwältigen lassen wollte, durchsuchte er die Tasche nach einem Stift und kritzelte ein paar Worte auf die Rückseite des Abendprogrammes:
Schmerz
Vergessen,
verdrängt,
vorbei.
Und trotzdem
immer
mit dabei.
Es war das erste Mal, dass er so etwas aufschrieb. Unsicher las er noch einmal durch, was er notiert hatte. Dann hielt der Zug. Er hatte gar nicht bemerkt, dass er schon da war. Schnell schnappte er sich mit der einen Hand seine Tasche, knüllte das Papier mit der anderen zusammen und warf es beim Rausgehen in den nächsten Mülleimer.
Was uns glücklich macht
Veröffentlicht in 25. März 2014 6 Kommentare
Sie träumt
denn sie weiss
er wird es
–
Sie lacht
denn sie weiss
er ist es
–
Sie liebt
denn sie weiss
wir sind es
–
Sie hofft
denn sie glaubt
er muss es sein
–
Sie verzweifelt
denn sie fühlt noch
er war es
–
Bis sie wieder
träumt, lacht, liebt
–
weil sie nun weiss
sie selbst ist es
Frei ist…
Veröffentlicht in 24. März 2014 Hinterlasse einen Kommentar

… das eine Herz
das Herz geblieben ist
trotz der vielen Steine
um es herum
denn es träumt
und hofft
und liebt
ohne Erwartung
sondern einfach nur
weil es ein Herz ist
Die Bank am See
Veröffentlicht in 23. März 2014 Hinterlasse einen Kommentar
Die Bank am See war ihr Lieblingsort. Auch heute nahm sie auf ihr Platz, obwohl die Bank schon besetzt war. Eine ältere Frau sass bereits da und schaute verträumt auf das Wasser. „Wissen Sie, wenn ich damals gedurft hätte, dann hätte ich gerne eine Ausbildung gemacht, aber das ging halt einfach nicht.“, sprach die Frau sie an. „Ja, das war damals noch anders.“, antwortete sie etwas unsicher. Die Frau fuhr fort: „Ich habe immer gerne gelernt, aber wenn ich zu gute Noten nach Hause gebracht habe, dann hat mein Vater gesagt, dass ich lieber mehr zuhause arbeiten soll, weil ein Mann sowieso keine eingebildete Frau will.“ Sie horchte auf und fragte: „Warum denn eingebildet?“ „Weil ich gerne Bücher gelesen habe. Früher hat man gesagt, dass das zu nichts nütze sei, die Zeit mit diesen Träumereien zu verschwenden.“ Nun war sie verwundert, denn Bücher waren für sie eigentlich immer nur etwas, was sie für die Schule lesen musste: „Und wovon haben Sie denn geträumt?“ Die Augen der Frau funkelten und sie lächelte kurz, als sie sagte: „Ich habe immer davon geträumt, Bibliothekarin zu werden. Das stelle ich mir wirklich schön vor, mit den Büchern zu arbeiten. Aber das ging halt einfach nicht. Ich durfte nur die Grundschule machen, danach musste ich Haushälterin lernen und arbeiten.“ Das war damals allerdings anders, dachte sie und erwiderte: „Meine Eltern wollten immer, dass ich studiere.“ „Darf ich fragen, was Sie arbeiten?“ „Ich habe als Juristin gearbeitet.“ Erstaunt sah die Frau sie an: „Und jetzt nicht mehr?“ „Nein, ich bin jetzt Mutter und Hausfrau. Meine Kinder sind die beiden da hinten auf dem Spielplatz.“, sagte sie stolz und blickte zufrieden auf den See hinaus, glücklich darüber, dass sie sich durchsetzen und ihren Traum verwirklichen konnte.
Aus dem Rhythmus gefallen
Veröffentlicht in 19. März 2014 Hinterlasse einen Kommentar
Müde und benommen von der durchträumten Nacht sitzt sie mit ihrem Kaffee am Frühstückstisch und fühlt sich total verloren. Irgendwie stecken ihr die Träume noch in den Knochen. Sie fühlt sich schwer und es wird eine ganze Weile dauern, bis ihre Knochen alle Traumbilder absorbiert haben und bereit sind, sich ihrer eigentlichen Bestimmung zu stellen und sie durch den Tag zu tragen. Einige Bilder sind noch da und doch schon weg, sie sind noch nicht ganz in den Knochen angekommen und blitzen wieder auf, aber in eine chronologische Reihenfolge lassen sie sich nicht mehr bringen. Oder waren sie gar nie chronologisch? Sie weiss es nicht. Über alles ist ein Schleier gehüllt, sowohl über ihre Träume wie auch über die Dinge um sie herum. Sie fühlt sich benebelt, hat Mühe, sich zurechtzufinden. Alles kommt ihr so unwirklich vor, sogar die Zeit, der sie morgens immer hinterherhinkt. Das waren doch nur fünf Minuten, wieso ist schon eine Stunde vergangen? Sie ist noch nicht bereit. Wie soll sie denn heute nur alles schaffen? Wie den Menschen begegnen, wie mit ihnen sprechen, wie alle Aufgaben erledigen? Wie soll das gehen, wenn sie sich so fehl am Platz fühlt in der Welt? Auch das weiss sie nicht, und auch nicht, wie es dann doch passiert, dass sie irgendwann dasteht, bereit, aus der Tür zu treten und die Welt zu begrüssen. Auch wenn es manchmal Stunden dauert, aber an den allermeisten Tagen schafft sie es, den Weg vom Traum zurück ins Leben zu finden. Und in ihrem Leben gibt es dann nur noch den einen grossen Traum, der sie durch den Tag begleitet, bis sie abends ins Bett fällt und sich jedes Mal aufs Neue vornimmt, dass ab morgen alles anders wird: Sie träumt davon, wie es wäre, wenn sie einfach leicht und voller Tatendrang aufstehen könnte. Wie es wäre, endlich problemlos in den Rhythmus der Gesellschaft zu passen und von Anfang an den Platz darin zu finden. Ja, leichter wäre dann alles. Zumindest vieles. Aber auch besser?
Heute Nacht träume ich…
Veröffentlicht in 18. März 2014 4 Kommentare

…. davon, gemeinsam durch den nassen Strand zu waten, zu spüren, wie der Sand durch die Zehen rinnt, dabei zuzusehen, wie der Tag sich dem Abend neigt und sich alles zu sagen, indem man gemeinsam schweigt.
















