Leistungsdruck

Was ist gut?

Was gut genug?

Es geht immer mehr,

besser –

Batterien leer

Schreiben können

Ich könnte Schreiben

wenn ich nur Zeit dazu hätte

Ich könnte Schreiben

wenn ich wüsste worüber

Ich könnte Schreiben

wenn ich gerade inspiriert wäre

Ich könnte Schreiben

wenn sich meine Gedanken fassen liessen

Ich könnte Schreiben

wenn ich die Worte finden würde

Ja, wenn es so einfach wäre

könnte ich wirklich schreiben

Denn wäre nicht alles so einfach

wenn ich nur schreiben könnte?

Das Alleinsein

Das Alleinsein

hat viele Gesichter.

Manchmal macht es uns Angst.

Ja, manchmal ist es

die reinste Qual.

Manchmal fehlt es uns.

Dann ist es wie Balsam

auf unserer Seele.

Oft auch sind wir gar nicht allein,

doch es fühlt sich trotzdem so an.

Das ist die grausamste Art,

die uns zeigt,

dass wir besser allein wären.

Das Alleinsein

hat viele Gesichter.

Es liegt

allein

an uns

von welcher Seite

wir das Gesicht

im Spiegel betrachten.

Der Rahmen

graffiti rom

Alles ist möglich!

Das ist die Freiheit der Kunst.

Nur mit einer Einschränkung:

Die Kunst braucht einen Rahmen

 –

definiert und vorgegeben

durch die Gesellschaft,

die Kunst ohne Rahmen

nicht als Kunst wahrnimmt.

Der Kampf

Müde und verträumt

stemme ich mich jeden Tag

gegen das Leben da draussen

Ausserhalb meines Bettes

erscheint mir alles

wie ein grosser Kampf

Dabei bemerke ich gar nicht

dass auf meinen Schultern

schon längst ein Krieg tobt

Sonntagsmüdigkeit

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Manchmal, wenn sie Zeit hat und an einem faulen Sonntagnachmittag auf ihrem Sofa liegt, überkommt sie eine wohlige Müdigkeit. Dann kann sie sich einfach nicht mehr dagegen wehren, dass ihre schweren Augenlider zufallen. Ein angenehmes Gefühl breitet sich aus. Es ist, als ob sie gleichzeitig schweben und trotzdem mit ihrem ganzen Körper in den weichen Untergrund einsinken würde. Ein paar Mal blinzelt sie noch, doch dann wehrt sie sich nicht mehr dagegen und lässt alles fallen. Sie fühlt, wie sich ihr Geist im Raum ausdehnt und es kommt ihr vor, wie wenn die Realität von ihr weggeschoben und auf Abstand gehalten würde. So kann sich ihr Inneres nun endlich nach aussen kehren und sie ist bereit, in die Traumwelt einzutreten. Dabei empfindet sie keinerlei Angst, sondern ein völlig entspanntes Gefühl der Sicherheit – und mit diesem Gefühl taucht sie ein in die tiefe Dunkelheit des Schlafs.

Ohne mich

Ich habe

keine Angst

mit dir.

Ich habe

keinen Zweifel

bei dir.

Ich habe

so viel Vertrauen

in dich.

Aber

du hast

(d)ein Leben

ohne mich.

Eine gebrochene Persönlichkeit

Die Aufregung war riesig. Die gesamte Schule, ja, sogar die ganze Stadt, und ja, so war man sich sicher, die ganze Welt war in Aufruhr. So etwas hatte man hier noch nie erlebt: Eben sass Jonas noch ganz normal im Unterricht, eigentlich genau wie immer, so erzählten die Klassenkameraden. Und dann, ganz plötzlich, fiel er auseinander. Das heisst, eigentlich fiel er nicht einfach auseinander, nein, es war eher so, dass er vom Stuhl fiel und erst beim Aufprall auf den Boden in viele kleine Stücke zerbrach, so wie eine Porzellanfigur. Kein menschlicher Laut war dabei zu hören, lediglich ein kurzes Klirren. Nicht einmal Blut habe gespritzt, berichteten die Zeugen des Vorfalles. Niemand an der Schule konnte sich das erklären.

An der Pressekonferenz suchte der Schuldirektor nach klugen Worten, doch er fand keine. Auch der Mathelehrer nicht, der zuvor noch versucht hatte, Jonas nach allen Regeln der Logik wieder zusammenzusetzen und zu reparieren. Es gelang ihm nicht. Ebenso war der herbeigerufene Arzt mit seinem Latein am Ende, als er feststellen musste, dass von Jonas nur noch die äussere Hülle vorhanden war und alle Innereien samt Herz fehlten. Seinen verzweifelten Versuch, die einzelnen Stücke wieder zusammenzunähen, musste er bald wieder aufgeben, da er es nicht schaffte, die Nadel durch die harten Hautscherben zu stechen. Sie wussten einfach keine Formel, wie sie vorzugehen hatten, denn so einen Fall fanden sie in keinem Lehrbuch.

Zwar wurden für alle anderen Schüler Psychologen aufgeboten, genauso wie es für Notfälle vorgesehen war, und auch die herbeigeeilten Eltern und die schockierten Lehrer wurden versorgt. Der Schule konnte hier absolut kein Vorwurf gemacht werden, denn alles wurde ganz korrekt gehandhabt. Doch für Jonas wusste niemand Hilfe. Und so kam es, dass Jonas gebrochen blieb. Und mit ihm das ganze Schulsystem mit ihren Vertretern, die ohne Erklärung zurückzublieben.

Dabei gab es eine einfache Erklärung, die ganz feine Geister an der Schule vielleicht erahnten, sich jedoch nicht auszusprechen getrauten: Durch den Versuch, sich anzupassen und konform mit den Erwartungen zu gehen, die an Jonas gestellt wurden, wurde seine äussere Schale immer härter, während sein Inneres immer leerer wurde. Und so kam es, dass von Jonas am Ende nur noch eine porzellanartige Hülle übrig blieb, die schon beim ersten Widerstand von aussen einfach zerbrach.

Weil aber diese Erklärung für alle Schulvertreter, ja, sogar für alle Politiker, und ja, sogar die ganze Gesellschaft noch viel schwieriger zu ertragen war als gar keine Erklärung zu haben, beliess man es dabei, von einem unerklärlichen Einzelfall zu sprechen – in der Hoffnung, dass er bald in Vergessenheit geraten würde.

Das Rad des Lebens

IMG_0437Man sitzt in seiner Kabine

lacht und geniesst die Aussicht

winkt den anderen zu

von hoch oben in den Lüften

Man fühlt sich frei

schwebt über der Welt

und ist doch gefangen

weil man sich mitdrehen muss

Weil man keine Wahl mehr hat

sobald man eingestiegen ist

und die Maschine des Lebens

angefangen hat sich zu drehen

Und wenn die Kabine

unten angekommen ist

muss man wieder aussteigen

ob man will oder nicht