Von der Forderung nach Freiheit
Veröffentlicht in 6. Januar 2015 3 Kommentare
Wer sich
die Freiheit nimmt
selbst frei zu sein
der soll doch auch
so frei sein
den anderen
die gleiche Freiheit
zu gewähren
–
Wenn aber Freiheit
wahre Freiheit sein „soll“
dann beisst sich
die Katze in den Schwanz
und dreht sich
um sich selbst
statt sich wirklich
frei entfalten
zu können
Sprachlosigkeit
Veröffentlicht in 2. Januar 2015 8 Kommentare
Ich würde dir
unglaublich gerne
so viel sagen
aber mein Gefühl
für dich
sagt mir
schon alles
und lässt mich
genau dadurch
sprachlos
zurück.
Moment der Freiheit
Veröffentlicht in 30. Dezember 2014 10 Kommentare
in dem noch alles möglich ist
aber man nichts mehr
beeinflussen kann.
Aufgefallen
Veröffentlicht in 28. Dezember 2014 4 Kommentare
Er fällt auf –
Will hoch hinaus,
mit rasender Geschwindigkeit
im freien Fall nach oben.
–
Er fällt auf –
Obwohl es anstrengend ist,
jeden Tag dem Leben und
der Schwerkraft die Stirn zu bieten.
–
Er fällt auf –
Und es ist nicht leicht für ihn,
denn er ist so strahlend,
dass die Leute fast nicht hinsehen können.
–
Er fällt auf –
Dabei fällt er zufällig auf ihren Kopf,
hat sie fast erschlagen
und mitten ins Herz getroffen.
–
Ja, er ist ihr aufgefallen –
Ihr, die mit beiden Beinen
auf dem Boden steht
und ihm so etwas Halt geben kann.
–
Nein, sie fällt nicht auf –
Sie schleicht sich leise in sein Herz
Und jeder Logik zum Trotz
reisst sie ihm den Boden unter den Füssen weg.
Loslassen
Veröffentlicht in 22. Dezember 2014 Ein Kommentar
Das Schwierigste am Loslassen ist
dass das Herz irgendwann
dem Kopf folgen muss
(der schon lange will
aber ohne Herz nicht kann)
und nicht nur zulässt
sondern auch selbst losgeht
und das Glück woanders sucht
sich aufmacht ins Ungewisse
um es dort zu finden
wo das Loslassen
nicht schwierig ist
Liebe ist…
Veröffentlicht in 14. Dezember 2014 14 Kommentare
gemeinsam innezuhalten,
gemeinsam zu träumen,
gemeinsam zu geniessen
und dabei immer (noch)
in die gleiche Richtung zu schauen
der Blick zwar
in die Ferne gerichtet
aber immer hin
zum gemeinsamen Ziel.
Durch alle Maschen gefallen
Veröffentlicht in 13. Dezember 2014 7 Kommentare
Wieder einmal sprach Jonas‘ Vater mit einem neuen Betreuer. Und einmal mehr hörte er die gleichen Erklärungen, die ihm aber nicht weiterhalfen. Es sei niemandes Schuld zum Beispiel, was wollten ihm alle damit sagen? Natürlich hatte jemand Schuld! Er hatte Schuld, sein Sohn hatte Schuld, dazu die Schule, die falschen Freunde, die Nachbarn, die sich das Maul zerrissen… Sicher verstand er auch, dass ihn das nicht weiterbrachte, aber es musste doch eine Erklärung dafür geben, warum es bei Jonas so weit gekommen war und bei allen anderen nicht, die doch zumindest am Anfang genau die gleichen Dinge gemacht hatten.
Und ja, er hörte den Betreuer laut und deutlich, als er sagte: „Jonas ist ein spezieller Fall, da sind wir machtlos. Jonas ist einfach durch alle Maschen gefallen, und zwar in einem so schnellen Tempo, dass keine Massnahme greifen konnte.“ Doch die Bedeutung dessen, was er eben gehört hatte, konnte er nicht erfassen. Sein Sohn war doch ein Mensch! Und Jonas war in der Folge davon genau wie jeder andere Mensch nicht so einfach gestrickt, dass man ihn mit einer Laufmasche in einem einfachen Strickmuster vergleichen konnte.
Oder hatte der Betreuer damit gemeint, dass das Strickmuster zu kompliziert geworden war? War das System bereits so verworren, dass die Löcher dazwischen gar nicht mehr zu erkennen waren? Doch auch das durfte doch einfach nicht sein! Warum wurde denn nichts dagegen gemacht? Es war doch nicht möglich, dass sich immer wieder Jugendliche wie sein Sohn in freiem Fall befanden und die einzige Erklärung war, dass es im System Löcher gab, durch die Jonas jedes Mal wieder hindurch- und noch tiefer fallen konnte.
Es fehlte nur noch, dass man dem Jungen vorwarf, dass er die Löcher nicht selbst flicken konnte, weil er keine Ahnung vom Stricken hatte. Ja, wäre es denn seine Aufgabe gewesen als Vater, seinem Sohn den Umgang mit den Stricknadeln beizubringen, nur weil die Schule den Stundenplan kürzen musste? Hätte er ihm das etwa zeigen sollen, er, der selbst nie stricken gelernt hatte, nur weil seine Frau zu dieser Zeit depressiv war und selbst genug Probleme mit sich hatte? Wie hätte er das denn machen sollen?
Und obwohl Jonas‘ Vater selbst keine Ahnung vom Stricken hatte und nicht wissen konnte, dass es genau wie in der Politik linke und rechte Maschen gab, wusste er trotzdem sehr genau: Weder von den einen noch von der anderen politischen Seite konnte er für Jonas Unterstützung erwarten. Denn die beiden Seiten benutzten Fälle wie Jonas lieber als Argumente, um sich gegenseitig bekämpfen zu können. Diese Löcher konnte er sogar durch das komplizierteste Muster hindurch erkennen. Oder war das System genau deshalb doch viel einfacher gestrickt, als er dachte?
Und plötzlich begann Jonas‘ Vater zu verstehen, warum sein Sohn durch die Maschen fiel. Es handelte sich weder um Laufmaschen im zu einfachen System, noch waren es Löcher im zu grossen Chaos. Nein, das war es nicht, es war viel logischer: Wenn sich nämlich die obersten Akteure mit Nadel und Faden in der Hand nicht einig werden konnten, nach welchem Muster sie stricken wollten, dann konnten die Übergänge zwischen ihnen natürlich nicht sauber gestrickt werden!
Und so entstanden über die Jahre und Jahre hinweg viel zu viele und zu grosse Übergangsmaschen im System, das mit der Zeit immer und immer unübersichtlicher wurde, so dass am Ende keiner mehr sagen konnte, bei welcher Masche alles angefangen und aufgehört hatte.
Worin sich aber alle stets einig waren, war, dass es sich um ganz tragische Fälle handelte, wenn ein Jugendlicher wie Jonas mit einem doch trotzdem über grosse Teile hindurch gleichmässig gestrickten System nicht aufgefangen werden konnte. Und daran konnte nun wirklich niemand die Schuld gegeben werden – denn für die Übergangsmaschen, für die war und ist schliesslich niemand zuständig!




















