Von der Forderung nach Freiheit

Wer sich

die Freiheit nimmt

selbst frei zu sein

der soll doch auch

so frei sein

den anderen

die gleiche Freiheit

zu gewähren

Wenn aber Freiheit

wahre Freiheit sein „soll“

dann beisst sich

die Katze in den Schwanz

und dreht sich

um sich selbst

statt sich wirklich

frei entfalten

zu können

Sprachlosigkeit

Ich würde dir

unglaublich gerne

so viel sagen

aber mein Gefühl

für dich

sagt mir

schon alles

und lässt mich

genau dadurch

sprachlos

zurück.

Moment der Freiheit

imageDer Moment

in dem noch alles möglich ist

aber man nichts mehr

beeinflussen kann.

Aufgefallen

Er fällt auf –

Will hoch hinaus,

mit rasender Geschwindigkeit

im freien Fall nach oben.

Er fällt auf –

Obwohl es anstrengend ist,

jeden Tag dem Leben und

der Schwerkraft die Stirn zu bieten.

Er fällt auf –

Und es ist nicht leicht für ihn,

denn er ist so strahlend,

dass die Leute fast nicht hinsehen können.

Er fällt auf –

Dabei fällt er zufällig auf ihren Kopf,

hat sie fast erschlagen

und mitten ins Herz getroffen.

Ja, er ist ihr aufgefallen –

Ihr, die mit beiden Beinen

auf dem Boden steht

und ihm so etwas Halt geben kann.

Nein, sie fällt nicht auf –

Sie schleicht sich leise in sein Herz

Und jeder Logik zum Trotz

reisst sie ihm den Boden unter den Füssen weg.

Loslassen

Das Schwierigste am Loslassen ist

dass das Herz irgendwann

dem Kopf folgen muss

(der schon lange will

aber ohne Herz nicht kann)

und nicht nur zulässt

sondern auch selbst losgeht

und das Glück woanders sucht

sich aufmacht ins Ungewisse

um es dort zu finden

wo das Loslassen

nicht schwierig ist

Liebe ist…

IMG_8039… auch nach vielen Jahren

gemeinsam innezuhalten,

gemeinsam zu träumen,

gemeinsam zu geniessen

und dabei immer (noch)

in die gleiche Richtung zu schauen

der Blick zwar

in die Ferne gerichtet

aber immer hin

zum gemeinsamen Ziel.

Durch alle Maschen gefallen

Wieder einmal sprach Jonas‘ Vater mit einem neuen Betreuer. Und einmal mehr hörte er die gleichen Erklärungen, die ihm aber nicht weiterhalfen. Es sei niemandes Schuld zum Beispiel, was wollten ihm alle damit sagen? Natürlich hatte jemand Schuld! Er hatte Schuld, sein Sohn hatte Schuld, dazu die Schule, die falschen Freunde, die Nachbarn, die sich das Maul zerrissen… Sicher verstand er auch, dass ihn das nicht weiterbrachte, aber es musste doch eine Erklärung dafür geben, warum es bei Jonas so weit gekommen war und bei allen anderen nicht, die doch zumindest am Anfang genau die gleichen Dinge gemacht hatten.

Und ja, er hörte den Betreuer laut und deutlich, als er sagte: „Jonas ist ein spezieller Fall, da sind wir machtlos. Jonas ist einfach durch alle Maschen gefallen, und zwar in einem so schnellen Tempo, dass keine Massnahme greifen konnte.“ Doch die Bedeutung dessen, was er eben gehört hatte, konnte er nicht erfassen. Sein Sohn war doch ein Mensch! Und Jonas war in der Folge davon genau wie jeder andere Mensch nicht so einfach gestrickt, dass man ihn mit einer Laufmasche in einem einfachen Strickmuster vergleichen konnte.

Oder hatte der Betreuer damit gemeint, dass das Strickmuster zu kompliziert geworden war? War das System bereits so verworren, dass die Löcher dazwischen gar nicht mehr zu erkennen waren? Doch auch das durfte doch einfach nicht sein! Warum wurde denn nichts dagegen gemacht? Es war doch nicht möglich, dass sich immer wieder Jugendliche wie sein Sohn in freiem Fall befanden und die einzige Erklärung war, dass es im System Löcher gab, durch die Jonas jedes Mal wieder hindurch- und noch tiefer fallen konnte.

Es fehlte nur noch, dass man dem Jungen vorwarf, dass er die Löcher nicht selbst flicken konnte, weil er keine Ahnung vom Stricken hatte. Ja, wäre es denn seine Aufgabe gewesen als Vater, seinem Sohn den Umgang mit den Stricknadeln beizubringen, nur weil die Schule den Stundenplan kürzen musste? Hätte er ihm das etwa zeigen sollen, er, der selbst nie stricken gelernt hatte, nur weil seine Frau zu dieser Zeit depressiv war und selbst genug Probleme mit sich hatte? Wie hätte er das denn machen sollen?

Und obwohl Jonas‘ Vater selbst keine Ahnung vom Stricken hatte und nicht wissen konnte, dass es genau wie in der Politik linke und rechte Maschen gab, wusste er trotzdem sehr genau: Weder von den einen noch von der anderen politischen Seite konnte er für Jonas Unterstützung erwarten. Denn die beiden Seiten benutzten Fälle wie Jonas lieber als Argumente, um sich gegenseitig bekämpfen zu können. Diese Löcher konnte er sogar durch das komplizierteste Muster hindurch erkennen. Oder war das System genau deshalb doch viel einfacher gestrickt, als er dachte?

Und plötzlich begann Jonas‘ Vater zu verstehen, warum sein Sohn durch die Maschen fiel. Es handelte sich weder um Laufmaschen im zu einfachen System, noch waren es Löcher im zu grossen Chaos. Nein, das war es nicht, es war viel logischer: Wenn sich nämlich die obersten Akteure mit Nadel und Faden in der Hand nicht einig werden konnten, nach welchem Muster sie stricken wollten, dann konnten die Übergänge zwischen ihnen natürlich nicht sauber gestrickt werden!

Und so entstanden über die Jahre und Jahre hinweg viel zu viele und zu grosse Übergangsmaschen im System, das mit der Zeit immer und immer unübersichtlicher wurde, so dass am Ende keiner mehr sagen konnte, bei welcher Masche alles angefangen und aufgehört hatte.

Worin sich aber alle stets einig waren, war, dass es sich um ganz tragische Fälle handelte, wenn ein Jugendlicher wie Jonas mit einem doch trotzdem über grosse Teile hindurch gleichmässig gestrickten System nicht aufgefangen werden konnte. Und daran konnte nun wirklich niemand die Schuld gegeben werden – denn für die Übergangsmaschen, für die war und ist schliesslich niemand zuständig!